Ideen zu haben ist gut, Ideen umsetzen ist besser. Mit dieser Maxime beginnt Anfang der siebziger Jahre die Erfolgsgeschichte von Deutschlands führendem Kurzreiseveranstalter für Clubs, Gruppen und Vereine. Heinz Müller, Gründer und Chef der Unternehmensgruppe Müller-Touristik, Münster, folgt dem Credo bereits als 23jähriger. 1968 macht er als Deutschlands jüngster Fremdenverkehrsdirektor in Brilon mit einem „Müller-Festival“ auf die Ferien- und Wintersport-Region im Sauerland aufmerksam. Eingeladen werden Männer und Frauen von Flensburg bis Garmisch, die Müller heißen. Es kommen rund 10 000. Das bundesweite Presseecho ist enorm.
Der Privatmensch Müller ist Kegler aus Leidenschaft. Weil ihm angetragen wird, für seinen Club regelmäßig Wochenendtouren zu organisieren, stößt er auf eine Marktlücke in der Reisebranche. Bis dahin ist es offenbar keinem Veranstalter in den Sinn gekommen, organisierte Touren für Vereine anzubieten. Die Idee für das Unternehmen „Müller-Touren“ ist geboren. Mit Optimismus und Tatendrang macht sich Müller an die Umsetzung. Mit 873 Kunden und einer Hand voll Zielen an Rhein, Nahe und Mosel beginnt das Abenteuer „Clubtouren“. Ein erster, bescheidener Prospekt bietet auf wenigen Seiten organisierte Wochenendausflüge für Kegler an. Es ist ein gelungener Start, doch nicht alles läuft so ab, wie es sich der Initiator vorstellt. Noch heute denkt Heinz Müller schmunzelnd an die erste Planwagen-Tour, die bereits nach 20 Metern endet. Der Grund: Eine Achse geht zu Bruch.
Es gab noch andere, wesentlich größere Probleme. „Anfangs wurde ich von vielen Hotels mit dem Hinweis abgewiesen, Kegelclubs seien zu laut und ließen es an gutem Benehmen mangeln", erinnert sich Müller. Dies ändert sich ebenso, wie die Präsenz der Clubs vor Ort. Hoteliers angesehener Sterne-Häuser werden zwischenzeitlich in Münster vorstellig und werben um Müllers Klientel. Weitere Schwierigkeiten gibt es beim Vertrieb. Viele Reisebüros, denen das Produkt zu unseriös scheint, verweigern anfangs die Mitarbeit oder reichen das Angebot nur unter der Ladentheke weiter. Zum Glück sind auch hier Vorurteile nur von kurzer Dauer.
Mit der Zeit wächst die Zahl der Ziele und Programme. 1982 umfasst der Katalog bereits 124 Seiten, prall gefüllt mit Touren für rund 130 000 Gäste. Zehn Jahre später sind auf mehr als 200 bunten Seiten über 100 Ziele aufgelistet, die zum Teil mit eigenen Tanzzügen angefahren werden. Die Marktführerschaft im Segment Gruppen-Kurzreisen ist geschafft.
1990 wächst das Unternehmen mit der Gründung der HM-Consulting GmbH, die eigene Hotels vermarkten. Dazu gesellt sich wenig später die Firma Euro-Express, die sich auf das Verchartern von Sonderzügen spezialisiert. Mit dem Kauf von 37 fast neuwertigen Wagen aus dem ehemaligen Berlin-Verkehr wird der Grundstein für Unternehmen gelegt. Als größter deutscher Privatbetreiber von Reisezugwagen verfügt der Anbieter heute über mehr als 60 eigene Sitz-, Liege-, Speise- und Partywagen, die zeitgleich mehr als 3000 Gäste in den Urlaub, zu Firmenevents und Großveranstaltungen fahren.
Müller legt noch eins drauf: Neues Produkt der Münsteraner Unternehmensgruppe wird 2004 der „Schnee-Express“, der von Anfang Januar bis Mitte März Skifans von Hamburg aus in die Winterhochburgen Österreichs bringt. Seit 2006/07 ist ein zweiter Zug bereits schon ab der dänischen Grenze nach Kitzbühel, St. Anton, Innsbruck & Co unterwegs. Für die aktuelle Wintersaison sind 10 000 Passagiere anvisiert. Sonderzüge fahren zudem jedes Jahr mehrere tausend Pilger nach Lourdes und Rom.
Heute buchen jährlich rund 200 000 Gäste von Müller-Touristik rundumbetreute Programme mit über 60 Zielen deutschland- und europaweit. Mehr als 120 geschulte Reiseleiter kümmern sich im In- und Ausland um optimale Reiseabläufe und das Wohlergehen der Gäste vor Ort. Die Angebote in den Katalogen, die mittlerweile eine Auflage von 280 000 Exemplaren erreichen, werden bundesweit über rund 5000 Reisebüros vertrieben.
2009 gibt es im 222 Seiten umfassenden Katalog wieder Neuigkeiten in einer Tour. Beim Premium Service bietet Müller den Clubs 8,80 m lange Stretch-Limousinen und Helicopter-Transfers an. Die Gruppentour wird individuell: „Typisch Müller“ – der Service für alle Sonderwünsche auf der Clubtour wird neu angeboten. All-inklusive wird 2009 noch weiter ausgebaut: Müller bietet jetzt neben der All-inklusive-Party, die All-inklusive Plus- , Ultra-All-in-, auch 24-Stunden-All-inklusive-Partys an.
Eine Erfolgsgeschichte und kein Ende?
Wie gesagt: Ideen haben, ist gut, Ideen umsetzen, offensichtlich sehr viel besser…